OLDTIMER INHALT

Oldie aktuell 2012

Oldtimertermine 2012

Old-/Youngtimertreffen 2012
Sechsämterfahrt 2010
Veteranenfahrt 2012


Der Oldtimersport war schon immer eine der führenden MSC-Sportarten. Es begann bereits bei der Gründung des Clubs im Jahre 1955. In Zeiten von langsam beginnendem Wohlstands im Nachkriegsdeutschland wurden viele alten Zwei- und Vierräder verschrottet. Sie passten nicht mehr in die Zeit des neuen Wirtschaftsaufschwunges. Doch die MSCler holten sich nach und nach die ausgemusterten Oldtimer von Schrottplätzen und aus mancher Scheune und begannen diese wieder herzurichten. So können die Mitglieder heute auf ein beachtliches Fahrzeugvolumen stolz sein.

Wir wollen an dieser Stelle über unsere Veteranenaktivitäten und über ausgewählte Clubfahrzeuge berichten.



Unsere aktiven Fahrer

Eine treue Schar aktiver Fahrer nimmt regelmäßig an nationalen Veteranenrallyes in ganz Deutschland teil. Es werden bayerische Meisterschaften bis hin zur Deutschen Meisterschaft ausgefahren. Man trifft sich am Wochenende und verbringt schöne Stunden unter Gleichgesinnten aus allen Regionen. Natürlich sind es keine Rallyes im herkömmlichen Sinn, es gilt also nicht, Höchstgeschwindigkeiten zu erzielen. Vielmehr geht es um Zuverlässigkeit und Geschicklichkeit - und das reicht auch schon für die betagten Gefährte. Bereits bei  der morgendlichen Startprüfung müssen die Fahrzeuge und Fahrer unter Beweis stellen, innerhalb einer Minute aus eigener Kraft zu starten. Auf einer Strecke von 50 bis 100 km verteilen sich weitere Wertungsprüfungen, z.B. eine Gleichmäßigkeitsprüfung. Es gilt hierbei, eine unbekannte Streckenlänge mit einer vorgegebenen Geschwindigkeit möglichst sekundengenau zu absolvieren. Abweichungen zur Sollzeit werden mit Strafpunkten geahndet. Eine beliebte Prüfung ist auch das sogenannte Gatterfahren. Es muss möglichst genau zu einem vorgegebenen Abstand zu einem Gatter gehalten werden (z.B. 65 cm Abstand). Keine leichten Übungen für die Oldtimer.
 
 
 
 
 
Bild: Unser leider viel zu früh verstorbener Harry Holder bei einer Abstandsübung
 

 


Die Coburger Veteranenfahrt

Durch die Erfolge der Veteranengruppe des MSC bei anderen Veranstaltungen wollte man die Oldtimerfreunde auch nach Coburg holen. Im April 1967 fand sie dann auch statt, die "1. Veteranen-Grenzland-Fahrt entlang der Sowjet-Zone".  Gemeldet waren sage und schreibe 168 Fahrzeuge der Baujahre 1905 bis 1937. Die Strecke führte über Oeslau, Fürth am Berg nach Neustadt und zurück nach Coburg. Heute findet diese traditionsreiche Veranstaltung alle zwei Jahre statt und titelt mit "Veteranenfahrt durch das Herzogtum Coburg". Aufgrund der schönen Kulisse fungiert dabei der Coburger Schloßplatz als Start und Ziel.

Teilnehmen können alle Mopeds, Motorräder, Motorräder mit Seitenwagen, Automobile und Nutzfahrzeuge bis zum Baujahr 1978.


Die nächste Veranstaltung führen wir im Mai 2012 durch. Hier finden Sie nähere Informationen, auch über die letzte Veranstaltung aus 2010.

 


Das Coburger Oldie-Treffen auf dem Schloßplatz

Bereits zum sechsten Mal gaben sich unzählige Oldtimer zwischen Ehrenburg und Landestheater ein stolzes Stelldichein. Ursprünglich alle zwei Jahre für die Oldie-Fans gedacht - nun jährlich. Ein Augenschmaus für Fans und Zuschauer!

 

Auch 2012 geht es wieder klassisch zu, auf dem Schloßplatz! Hier gibt es weitere Infos. Die nächste Veranstaltung findet  im Mai 2012 statt.

 

 

 

 


Das Clubjuwel, die Alcyon

Klares Club-Highlight ist ein Motorrad des Baujahres 1905, eine hersteller- und typgleiche französische "Alcyon", gebaut in Paris. Das Fahrzeug wurde in Coburg vom damaligen Zaren Ferdinand von Bulgarien gefahren, der in hier im Exil lebte. Als er starb, kaufte der MSC aus dem Nachlass die Alcyon. Das Motorrad wurde wieder vollständig restauriert und wird heute von unserem Clubmitglied Horst Brückner gepflegt und natürlich auch gefahren. So belegt er jährlich bei der großen Ibbenbürener Veteranenrallye traditionsgemäß die vorderen Plätze.

Der Motor der Alcyon leistet 2,5 PS bei einem Hubraum von 211 ccm. Für damalige Verhältnisse war die Höchstgeschwindigkeit schon ganz beachtlich, lag bei 45 bis 50 km/h. Bemerkenswert ist, dass das Motorrad weder Kupplung noch Getriebe hat. Der Antrieb erfolgt über einen wartungsarmen Zahnriemen, während parallel hierzu über eine Kette der Pedalantrieb zuhilfe genommen werden kann (zum Anfahren oder am Berg).

Nach unseren Informationen dürfte es das einzige erhalten gebliebene Fahrzeug diesen Typs sein, welches auch heute noch fahrbereit ist.

Die Alcyon ist und bleibt natürlich stolzer Clubbesitz.
 
 
 


Was wir sonst noch bieten

Natürlich Tipps und Hilfestellung bei allen Oldtimerfragen, insbesondere bei der Restaurierung schwieriger Fahrzeugtypen oder bei der Beschaffung seltener Ersatzteile. So besuchen wir ausgewählte Teilemärkte im Raum Süddeutschland und geben Tipps, wo sich welcher Besuch lohnt.

Näheres am besten an unseren Clubversammlungen erfragen.
 
 


Folgender Bericht erschien in den 60er Jahren im Coburger Tageblatt. Verfasser war Erich Bätzoldt

Als in Coburg noch Motorräder gebaut wurden
Alfred Propp machte nie viel von sich reden, aber seine Motorräder laufen heute noch

Wenn man alte Autos sammelt oder Motorräder, Fahrräder, Lampen und solche Sachen, kommt man manchesmal auf Dinge, die längst vergessen sind. Manchesmal auch macht man die Feststellung, dass die Männer, die vor 100 Jahren Maschinen bauten und sich damit auf vollkommenes Neuland begaben, technisch außerordentlich begabt gewesen sein müssen. Sie waren keine "Spezialisten", die nur schweißen konnten oder nur löten. Sie mussten Motoren bauen und Karossen, Räder und die Lenkung. Sie konnten nicht die Erfahrung der heutigen Generation zugrunde legen und bauten doch Maschinen, die heute noch fahren.

Autos werden heute noch nach den gleichen Prinzipien gebaut wie etwa vor 60 Jahren. Der Motor arbeitet heute nach einer Erfindung des Herrn Otto. Erst in diesen Tagen wird ein grundlegend geänderter Motor gebaut. Und wenn man die alten Holzkarossen betrachtet, die Türen, die Polster, dann könnte man fragen wie das Fahren in einem der neuesten Autos wäre, wenn es keine Profilgummi gäbe. Das war aber alles nur eine Abschweifung, denn ich wollte eigentlich etwas anderes erzählen:

Vor einiger Zeit bekam ich ein altes Motorrad geschenkt. Sehr gut gepflegt, fahrbereit. Eine Mordsmaschine, 500 ccm, Hersteller: APC auf dem rotkupfernen Benzintank mit handziselierten Rosenmustern (APC - Alfred Propp Coburg). Genau er war der Erbauer. Und es fielen mir meine Jugendtage ein, da wir sehnsüchtig vor einer Werkstattür standen und zuschauten wie Motorräder gebaut wurden. Ja hier in Coburg. Genau gesagt Im Steinweg 38 im Hinterhof.

Herzklopfend hörten wir die schweren Motoren Probe laufen, sahen die großen schwarzen Maschinen fahren und fachsimpelten. Ja – damals!

Ich lud also den Erbauer ein und er kam und bestätigte mir, dass er diese Maschine ganz gebaut hatte. Ich erlebte die Wiedersehensfreude, und war froh, dass meine Sammelleidenschaft wieder einmal eine Maschine gerettet hatte. Und dann kamen wir ins Reden. Der unscheinbare Mann mit den klugen Augen und dem sechsten Sinn für alles Technische kam ins Reden und erzählte mir den Werdegang der Maschinen.

Ich glaube ihm wirklich, dass es für ihn Dinge nicht gab, die nicht mit einfachsten Mitteln technisch zu lösen waren. Das erste Motorrad baute er zum Spaß. Nur um zu beweisen, dass so etwas möglich wäre. 1923 eine leichte Versuchsmaschine mit einem 100-ccm-Herko-Motor. Dieses Maschinchen lief so gut und sauber, dass es auch sofort verkauft war. 1924 baute er eine 198-ccm-Maschine mit einem Charlett-Motor. Der kopfgesteuerte Motor gab allerhand her und die Maschine lief für die damalige Zeit schnell. Auch sie war schnell verkauft. Ja und dann kamen die großen APC-Maschinen, 500-ccm-Motoren. Schwere Doppelrahmen. Wuchtig gebaut. Mächtige Auspuffrohre mit entsprechendem Klang. Es war wirklich eine Freude, diese großen Einzylinder-Motoren laufen zu hören. Diese Maschinen liefen alle über 100 km/h. Und waren von einem Mann gebaut, der die Technik zu nutzen verstand.

Die Motoren waren 500-ccm-"Küchen" mit zwei Ventilen. Kopfgesteuert mit Königswelle. Sie kosteten damals, als nach der Inflation die Goldmark kam, etwa 500 DM. Dazu kamen englische Burmanngetriebe oder Hourth-Getriebe, das Stück jeweils etwa 360 Goldmark.

Alle Maschinen hatten den „Dehne-Schaltlenker", das heißt, die Gänge wurden nur durch Verstellen des Lenkers geschaltet. Der Fahrer nahm dabei die Hand nicht vom Lenker. Die ersten Maschinen hatten noch Eigenbau-Vorderradgabeln mit zwei Blattfedern. Später wurden alle Maschinen mit Original-"Tiger-Gabeln" ausgerüstet. Fittings, und Bluffen wurden von der Maschinenfabrik Gemmer angefertigt. Alles andere baute Herr Propp selbst.

Wenn man die Maschine betrachtet, die ich habe und die etwa 1925 gebaut wurde, muss man staunen. Sie wurde nicht in Serie gebaut, es gab keine Rennpisten, auf denen sie erprobt werden konnten. Es waren weder Ingenieure noch Laboratorien da. Ein Mann stellte sich die Aufgabe und baute. Er war Monteur, Schlosser, Schweißer. Er fuhr und verbesserte. Er berechnete die Form des Rahmens und seine Festigkeit. Ach - es gibt tausend Dinge, die beachtet werden müssen, denn ein Fehler konnte den Tod bedeuten. Die Maschine ist so sauber und klar gebaut, sie läuft heute noch so wie am ersten Tag. Alles ist durchdacht. Nichts fehlte, nichts war falsch oder schlecht. Es wurden keine großen Stückzahlen gebaut. Alfred Propp war kein Kaufmann oder Manager. Er wollte zeigen, dass so etwas geht und er zeigte es.

Und er sitzt vor mir, still und bescheiden. Ich bat ihn um Bilder. Er hatte sie von den Maschinen. Ein eigenes Bild von Ihm war schwer aufzutreiben. Er hat nie Gebrauch gemacht von der Tatsache, dass er Motorräder baute.

Und ich freue mich, dass es unter uns noch solche Männer gibt. Männer die mehr sind als sie scheinen.

Erich Bätzoldt

Hinweis: Die Maschine existiert natürlich auch heute noch und gehört einem unserer Club-Mitglieder