Alpenpässefahrt 2008 - Ein Erlebnisbericht von Sven Hartwich

So. Es ist 3.45 Uhr und der Wecker klingelt. Wie bekloppt muss man eigentlich sein, um diese Zeit aufzustehen, nur, um so ne komische Ori durch die Alpen zu fahren. Aber was soll’s. Die Frage stell ich mir ja nun schon das fünfte Jahr hintereinander. Und ich weiß genau, dass ich sie mir nächstes Jahr wieder stellen werde. Gut, vielleicht sollte man dann nicht wieder erst um 00.30 Uhr ins Bett gehen. Vielleicht hilft’s auch, ein Bier (oder 2) weniger zu trinken..... Naja, am Ende läuft’s ja sowieso genauso ab, wie alle Jahre davor auch. Also, raus aus den Federn, schnell noch nen Kaffee und dann ab nach Sauerlach.

Dort erstmal Startnummer abgeholt. Nummer 14. Ist nicht schlecht, nicht zu früh und nicht zu spät zum starten. Hatten wir ja letztes Jahr außerdem auch. Aber warum bitteschön schaut Danie so entsetzt und wird leichenblass? Braucht sich doch nicht zu wundern, dass sie die letzte Startnummer hat. Geht nun mal nach dem Prinzip "First in, First out", also wer zuerst nennt, fährt zuerst. Und wenn man erst 14 Tage vor der Fahrt die Nennung endlich abgibt, braucht man sich doch nicht zu wundern. Ach so, sie hat gar nicht die ‚Nummer 41, die ihr eigentlich zusteht, sondern die 1... Hm, vielleicht die Excel-Liste mit den Startern vom Veranstalter falschrum geordnet, oder was. Gut, später stellt sich raus, dass die eigentliche Nummer 1 die Nennung zurückgezogen hatte und deshalb die Schranks die 20. Alpenpässefahrt eröffnen durften. Gefällt Danie trotzdem gar nicht. Egal. Wird schon!

So, jetzt ist 5.34 Uhr. 10 Minuten vor unserer Startzeit. Fahrtauftrag her (den gibt’s nämlich 10 Minuten vorher). Steht allerdings nur in einem Nebensatz in der Ausschreibung. Glück gehabt, dass ich die gelesen hatte. So, was hat sich denn der Hans Lang diesmal für Gemeinheiten vor der Auffahrt auf die Autobahn ausgedacht? Ahh, direkt nach dem Start eine Mini-Auftakt-dreimal-im-Industriegebiet-Sauerlach-rumkreisel-Ori... Und dann auch noch immer in der Reihenfolge Pfeil-Pfeil-Punkt die Symbole anfahren. Was soll’s, hab’s ja gelesen und alles durchnummeriert. Auf geht’s Anderl, packen wir’s an!

Start – Links – sofort rechts und gleich mal den ersten Stempel bei der Stempelkontrolle (SK) abholen. Weiter geht’s. Einfahrt Kreisverkehr, auf der Rückseite des Kreisels die Orientierungskontrolle (OK) notiert, noch eine halbe Runde zur Ausfahrt und schon geht’s los. Und schon die erste OK (#14) bei der Einfahrt in den Kreisel übersehen. Erst bei der Ausfahrt entdeckt. Mist. Gleich der erste Fehler. Was soll’s, geht nun eh nicht mehr korrigieren. Mini-Ori zu Ende bringen und zum Abschluss den Gegenverkehr beachten. Gut, den haben jetzt nicht alle beachtet. Die fehlende OK 14 ist damit ja schon wieder halb ausgeglichen. Später in der Mittagspause werden wir allerdings merken, dass uns nicht nur die 14, sondern auch gleich 3 mal die 33 fehlt – wobei, den richtigen Weg sind wir gefahren, aber irgendwie hat sich die OK wohl extrem vor uns versteckt.

Ab auf die Autobahn und erstmal bis Ausfahrt Bozen Nord. Zeit genug, die Strecke zumindest mal bis zur Mittagspause auszuarbeiten. Bin ja gleich schwer begeistert. Die Hälfte der Aufgaben besteht daraus, Streckenskizzen erst auf Folie zu übertragen und dann in die Karte zu malen - im fahrenden Auto auf der Autobahn. Ist das hier ne Malstunde und fahren wir ne Ori?

Bozen Nord. Fahre von Blumau nach Tiers zur Zeitkontrolle (ZK) 1! Zwischen den Orten sind die Bushaltestellen rechts zu zählen. Außerdem kommt man an einem Ritter vorbei, bei dem man 2-Zack-Fähnchen zählen soll. Ha, viel zu einfach. Da muss doch ein Haken sein. Und jawoll, hab ihn auch schon gefunden. Auf dem Weg von Blumau nach Tiers gibt’s eine Abkürzung. Und es ist ja immer der kürzeste Weg zu fahren. Und wenn man den fährt, kommt man logischerweise an weniger Bushaltestellen vorbei. Soweit zumindest die Theorie... Denn wie sich später herausstellte, war die Abkürzung doch nicht zu fahren. Allerdings hab ich immer noch keinen blassen Schimmer, warum nicht. Dummerweise gab’s auf unserem Weg auch keinen Ritter. Die Bushaltestellen haben wir auch nicht nur in Fahrtrichtung gezählt, sondern alle. Also auch die links. Hab ich die Frage falsch vorgelesen oder hat sie Andreas falsch verstanden? Egal, auf dem von uns gewählten Weg hat die Anzahl ja eh nicht gestimmt.

Nächstes Teilstück recht unspektakulär. Eine ewig lange Passstraße, auf der man sich gar nicht verfahren kann. Nur am Ende eine kleine Ori-Ecke. Kein Problem. Haben wir. Nächster Kartenausschnitt. Drauf achten, dass man beim Kartenwechsel schon weiter ist, als der erste Pfeil auf der Folgekarte. Also noch mal rechts rum über eine Nebenstraße zurück und den Pfeil vollständig fahren. Nächstes Blatt. Wieder nur ne winzige Ecke zu beachten. Hallo, was ist denn hier los? Fast ein bisschen einfach dieses Jahr. Es folgt wieder eine ewig lange Passstraße ohne den Hauch einer Chance auf einen Fehler. Auch gut, hat der Beifahrer wenigstens auch mal Zeit, sich die Landschaft anzusehen.

So, jetzt geht’s ja schon ganz flott auf die ZK 2 und damit auf die Zwangsmittagspause zu. Scheinbar hat mich aber die Aufgabe vorher etwas schläfrig gemacht. Denn die nächste touristische Aufgabe, bei der nach einer kleinen Holzkirche Ausschau zu halten war, ignoriere ich mal eben vollständig. Bis ich’s merke, ist schon alles zu spät. Vor dem Hotel Nigritella auf den Parkplatz gestellt. Außer einer Zwangsmittagspause gibt es allerdings keinen, aber auch wirklich gar keinen Grund, an diesem Hotel zu halten! Uwe wartet schon auf uns. Allerdings stellt er uns einfach mal vor die Frage, warum wir denn das Hotel von rechts anfahren. Ein kurzer Blick auf die Karte. Andreas! Ab ins Auto! Wir fahren noch mal ne kleine Runde, denn ich hab nen Pfeil übersehen. So, den Pfeil erledigt und die letzte SK auch eben noch mitgenommen. Hotel diesmal von links angefahren. Jetzt passt es wieder. Nur drauf achten, nach der Pause wieder nach rechts wegzufahren und noch mal zu der SK zu schauen, sonst ist man gleich wieder im Gegenverkehr. Nachdem ich von Uwe einen kleinen Tipp bekommen habe, muss ich mich natürlich noch revanchieren,. Also Danie noch schnell drauf hingewiesen, das sie ne Ori-Ecke auf der Nachmittagsrunde übersehen hat. Nicht dass dann am Ende das gejammere losgeht, wenn wir im Klassement knapp vor Schranks sind und das vielleicht nur wegen der einen SK.

Laut Karte hat es der erste Teil nach der Pause ganz schön in sich. Pfeile links und rechts der Hauptstraße (gibt’s hier Indianer???). Eine Ori-Ecke nach der anderen. Dumm nur, dass man in die entweder nicht reinfahren kann weil Straße gesperrt oder Einbahnstraße - allerdings in die falsche Richtung – oder aber wir die Einfahrt nicht finden. Ich hake die Ori nun bereits ab. Ich finde auf diesem Stück kaum eine OK. Kann ja nix mehr werden. Am Ende stellt sich allerdings raus, dass der richtige Weg einfach nur die Hauptstraße entlang ging. So ganz genau nimmt es der Hans Lang offensichtlich nicht mit den Ori-Regeln.

Weiter geht’s mit diesen unsäglichen Mal-Aufgaben. Einer der Gründe, warum mir dieses Jahr die Veranstaltung so gar nicht gefallen hat. Hinzu kommt, dass es seit der Mittagspause wie aus Eimern schüttet. Macht die Sache auch nicht schöner. Richtig eklig wird es, zu den Stempelkontrollen aus dem Auto zu gehen. Wobei sich herausstellt, dass wir eines der wenigen Teams sind, bei denen der Beifahrer die ganze Arbeit machen muss. Bei den meisten anderen erledigt zumindest das Stempeln der Fahrer. Da müssen wir noch mal drüber reden, vor der nächsten Ori!

Wir fahren auf Auronzo zu. Am Ortseingang geht – laut Karte – ein fast autobahnähnlicher Abzweig rechts auf einen Pass. Diesen Abzweig zu finden, bringt uns schier an den Rand der Verzweiflung. Was in der Karte fast aussieht, wie eine 6-spurige Autobahn stellt sich in Wirklichkeit als ein Sträßchen raus, durch das gerade mal das Auto passt. Manche Hinterhofeinfahrt ist breiter. Kein Wunder, dass wir mindestens 5 mal dran vorbeigefahren sind. Der Kartenhersteller gehört verklagt!

Letzte Aufgabe. Nochmal malen. Ja bin ich denn Picasso? Diesmal Punkte in eine Karte übertragen. Kurz vorm Ziel weise ich Andreas darauf hin, dass 100%ig noch mal ein Passhöhenschild direkt vorm Vorziel steht. Es war nämlich jedes Mal auf der ganzen Fahrt beim passieren eines solchen Schildes die Zahl 20 in die Bordkarte zu schreiben. Solche Aufgaben sind jedes Jahr als Besonderheit dabei, die sich über die komplette Veranstaltung durchzieht.

Am Abend dann die – wie leider jedes Jahr – sich ewig hinziehende Siegerehrung. Wir sind ja erst seit kurz vor 4 Uhr auf den Beinen... Andere Teams gar noch länger, weil sie nicht wie wir in der Nähe des Startorts übernachten. Es wäre schon mal schön, wenn dann sie Siegerehrung zügig durchgezogen werden würde. Aber das wird wohl ein Wunsch bleiben. Danie und Uwe erreichen den 8., Andreas und ich den 12. Platz von 24 in der Klasse. Im Gesamtergebnis werden Schranks 14. und wir 21. von 40 gewerteten Startern.

Wenn wir jetzt nicht in der Auftaktprüfung gleich 4 Fehler gehabt hätten, oder wenn ich die Abkürzung in der ersten Aufgabe nicht gefahren wäre und wenn und überhaupt..... Ach ist ja auch egal. 2009 sind wir vor Schranks! Und wenn ich deren Auto manipulieren muss, damit sie ausfallen......

Sven Hartwich

 

Die Teams des MSC:

Startnummer 1: Uwe und Daniela Schrank

Startnummer 14: Andreas Engel / Sven Hartwich